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THEATER IM ÖFFENTLICHEN RAUM


MUUNKOMPANIE - ihr künstlerisches und politisches Selbstverständnis wirkt im öffentlichen Raum.

Der geschlossene Theaterraum, als Ort eines teilöffentlichen Diskurses ist geprägt von den Überschriften "moralische Anstalt" - im Sinne Lessings und "ästhetische Erziehung" - nach Goethe und Schiller. Dieses Theater funktioniert strukturell in seiner Architektur der Guckkastenbühne als Ort der Selbstvergewisserung einer Gesellschaft, als Vorbild und Spiegel bei frontaler Orientierung aller auf einen gültigen Inhalt hin. Zudem orientiert sich die Öffentlichkeit gerne ausschließlich an den Metropolen, der sogenannten Hochkultur und der Kultur der Highlights.
Ein weiteres Merkmal ist die epische, detaillierte Breite des Erzählten. Es wird nicht allein eine Brechung innerhalb der Figur- oder Erzählstruktur angestrebt, sondern darüber hinaus ein Aufbrechen der Struktur des Stückes durch das Überschreiten der jeweiligen Genregrenze. Dies gilt auch als Stilmittel des Epischen Theaters bei Brecht. Wie die Überwindung der vierten Wand. Allerdings nicht im Sinne der Brecht'schen Verfremdung, sondern umgekehrt, um das Publikum mit in das Geschehen einzubeziehen, ihm näher zu sein und dadurch einen kathartischen Effekt zu erreichen.

Auf diese Umstände reagiert die die muunkompanie in bewusster Weise. Sie geht in den öffentlichen Raum und damit in ein zentrales gesellschaftliches Spannungsfeld. Verstehen wir nämlich den öffentlichen Raum nicht als neutrale Flächen, die allen und niemandem speziell zugeordnet sind, gelangen wir zu einem umfassenderen und zugleich tieferen Verständnis dieses Begriffes.

Er erweitert sich um die historischen wie gegenwärtigen, die sozialen wie wirtschaftlichen, die zivilen wie politischen, in Summe um alle kulturellen Aspekte gemeinschaftlichen Lebens. Der öffentliche Raum wird somit zur Plattform, auf der Vielfalt, Interessen und Differenz einander fortgesetzt begegnen, einander beeinflussen und sich wechselwirkend verändern - kurz zu einem exemplarischen Raum kultureller Entwicklung.

Theater im öffentlichen Raum verdichtet diese Entwicklung temporär und bündelt sie zu einem Brennpunkt.

Und mit dem Schritt von der Metropole in die Peripherie wird das Theater der muunkompanie ein weiteres Mal keine Angelegenheit der "happy few", der Eingeweihten, sondern Teil eines kulturellen Prozesses aller gesellschaftlichen Gruppen.

Damit reißt die Arbeit der muunkompanie scheinbar geklärte Begriffe wieder auf und verlangt eine Neubestimmung der Funktion von Akteur/in und Publikum, der Dramaturgie, d.h. des Zeitkontinuums und der Anforderungen an das, was man Inhalt nennt und stellt schließlich die Frage, wo, in welchem und wie zu begrenzenden formalen wie inhaltlichen Raum Theater künftig stattfindet.

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